Die Nachfrage nach traditionellem Ashtanga Yoga ist groß, die Fangemeinde wächst zunehmend.
Ashtanga Yoga ist die Mutter des dynamischen Yoga. Geübt werden feste Serien von Yogastellungen, die weltweit auf die exakt gleiche Art und Weise praktiziert wird.

Charakteristisch für Ashtanga Yoga ist die konsequente Verknüpfung aus Atmung, Bewegung sowie festgelegten Blickpunkten. Diese schirmen während der Praxis von äußeren Reizeinwirkungen ab und die wesentlichen Bestandteile des Yoga wie Achtsamkeit, Gelassenheit und Selbstbeobachtung können sich voll entfalten.

PatanjaliDer Begriff Ashtanga heißt wörtlich übersetzt: Ashtau (Acht) Anga (Glieder) = Acht Glieder.

Diese Acht Glieder wurden von dem Weisen Patanjali erstmals schriftlich in 195 Yoga Sutren festgehalten. Über Patanjali ist wenig bekannt, und es wird vermutet, dass er in der Zeit von 200 v. Chr. bis 400 n. Chr. lebte.

Die acht Glieder bilden das philosophische Fundament des Yoga:

  1. Yama (Umgang mit der “Außenwelt”)
  2. Niyama (Umgang mit sich selbst)
  3. Asana (Umgang mit dem Körper)
  4. Pranayama (Umgang mit dem Atem bzw. der Lebensenergie)
  5. Pratyahara (Umgang mit Sinneseindrücken)
  6. Dharana (Konzentration der Gedanken)
  7. Dhyana (Meditation)
  8. Samadhi (unverfälschte Wahrnehmung der Realität)

Ashtanga Yoga nach Sri K. Pattabhi Jois († 18.05.2009)

Sri K. Pattabhi JoisDie Wurzeln des Ashtanga Vinyasa Yoga so wie wir es heute praktizieren, gehen auf Shri Tirumali Krishnamacharya zurück, welcher Anfang des letzten Jahrhunderts siebeneinhalb Jahre bei seinem Guru Rama Mohan Brahmachari im Himalaya lebte und von ihm Yoga und Pranayama lernte. Danach ging Krishnamacharya nach Mysore und unterrichtete Yoga am Mysore Palace. Shri K. Pattabhi Jois (Guruji) traf seinen Lehrer Shri T. Krishnamacharya 1927 in Mysore und war bis 1945 sein Schüler. Er unterrichtete viele Jahrzehnte Ashtanga Vinyasa Yoga in Mysore und starb am 18. Mai 2009 im Alter von 94 Jahren. Sein Enkel Shri R. Sharath unterrichtet weiter in seiner Tradition in Mysore.

Die Form und Verbreitung von Ashtanga Yoga wie es heute überwiegend praktiziert wird, haben wir also Sri K. Pattabhi Jois und seinem lebenslangen Studium des Yoga zu verdanken. „Guruji“ (Guru = Lehrer; ji = Respektsform), wie er von seinen SchülerInnen liebevoll genannt wurde, war bis zu seinem Tod die Autorität für Ashtanga Yoga und weltweit eine lebende Legende. Für Sri K. Pattabhi Jois ist das 3. Glied – die Asanas oder Körperstellungen – der Einstieg in die Yoga Praxis. Da wir in einer extrem nach außen gerichteten „körperlichen“ Welt leben und funktionieren, ist auch der Beginn von Ashtanga Yoga zunächst ein körperlicher.


Die Methode

Jede Asana ist mit dem nächsten durch eine ebenso vorgegebene Bewegungsabfolge verknüpft. Jede Bewegung wird unter Anwendung einer besonderen Atemtechnik (Ujjayi Atmung) mit einem Atemzug synchronisiert (Vinyasa). Die Augen werden auf festgelegte Blickpunkte (Drishtis) fixiert und energetische Körperverschlüsse (Bandhas) werden aktiviert. Der Geist wird nach innen gerichtet und durch dieses Zusammenwirken von Asanas, Vinyasas, Drishtis, Bandhas und Ujjayi Atmung kommt es zu einem „Meditativen Tanz des Körpers mit dem Geist und dem Atem“.

Es ist zunächst ein, körperlicher Ansatz, der aber durch die regelmäßige Praxis rasch auch einen Effekt auf Geist und Seele zeigt und zu einem Erwachen eines tieferen Bewusstseins gegenüber sich selbst und der Umwelt führt.

Nach dieser Methode ist die Abfolge der Asanas in einer festgelegten Sequenz vorgegeben, d.h.die Asanas sind in einer festgelegten Abfolge zu üben, jedes Asana ist betreffend Kraft und Flexibilität aufbauend mit dem nächsten abgestimmt, so dass die jeweils vorherigen Asanas eine perfekte Vorbereitung für die darauffolgenden darstellen. Dieser Reihenfolge ist genau zu folgen und es ist nur bis zu jenem Asana zu üben, das man tatsächlich noch korrekt ausführen kann. Werden nur einzelne Asanas in der Sequenz nicht oder falsch ausgeführt, gehen die Vorteile dieser aufbauenden Methode verloren und es kommt langfristig zu keinem wirklichen Fortschritt des Übenden.


Die Serien

Es gibt 6 verschiedene Serien von Asanas, die sich durch einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad unterscheiden

Jede der Serien hat einen speziellen Schwerpunkt hinsichtlich der Absicht und Wirkung. Die erste Serie wird auch „primary series“ bzw. Yoga Chikitsa, die Yoga-Therapie, genannt. Sie soll den Körper reinigen und wieder korrekt ausrichten. Der Schwerpunkt der Übungen liegt auf den Vorwärtsbeugen und den hüftöffnenden Übungen. Eine gut erarbeitete erste Serie ist die Grundlage für die weiteren Übungsreihen.

Die zweite Serie oder auch „intermediate series“ (Nadi Shodana in Sanskrit) bringt die Ashtanga Vinyasa Yoga Praxis von einer physischen auf eine energetische Ebene.

Nadi Shodana bedeutet Reinigung der Energiekanäle, durch die der Fluss des Prana (= Energie) aktiviert und harmonisiert wird.

Die zweite Serie arbeitet vor allem an der Flexibilität, Öffnung und Stabilität des Rückens und wirkt dadurch auch stärker auf das Nervensystem; die fortgeschrittenen Serien erfordern noch mehr Kraft, Stehvermögen und Konzentration.


Wirkungen

Die verbesserte Flüssigkeitszirkulation, die Drainage der Organe und des muskuloskelettalen Systems begünstigen ein besseres Zusammenwirken und eine bessere Funktion von Nervensystem und Sinnesorganen. Diese ersten Schritte dauern in der Regel jedoch einige bis viele Jahre regelmäßiger Übungspraxis, bis diese vollständig erfahrbar werden. Ist dies erst einmal erreicht, wird fast automatisch eine ausgeglichene und harmonische Geistaktivität erfahrbar.

Eine mit Hingabe ausgeführte regelmäßige Yogapraxis heilt und stärkt nicht nur den physischen Körper, sondern verbessert ebenso unsere Achtsamkeit im Umgang mit uns und anderen, verwurzelt unsere Wahrnehmung im “Hier und Jetzt” und unterstützt die Auflösung innerer Widerstände.

Nach Sri K. Patthabi Jois kann eine regelmäßige Yogapraxis innere Widerstände und Widerwillen auflösen.
Die innere Hitze, die durch das Yoga erzeugt wird, ermöglicht zudem einengende Konditionierungen wie z.B. übermäßiges Verlangen, Ärger/Wut/Hass (auch in Form von Selbsthass), Furcht/Unruhe, Wahnvorstellung, Habsucht, Neid und Trägheit zu differenzieren, relativieren, integrieren und schließlich loszulassen. Dies öffnet unser Herz und macht uns empfänglich für die Erfahrung der Verbundenheit und des Einsseins – Yoga.

Schon die erste Serie zu meistern, kann abhängig von Alter, Einsatz, Hingabe und grundsätzlichen körperlichen Konstitution einige Jahre täglicher Übung benötigen. Nur wenige, sehr fortgeschrittene Yogapraktizierende üben derzeit die 3. oder 4. Serie, maximal eine handvoll weltweit die fünfte und die 6. Serie wird derzeit wahrscheinlich nur von Sharath, dem Enkel von Sri K. Pattabhi Jois, beherrscht.


Was bedeutet “Mysore”?

Mysore ist eine Stadt in Südindien und gilt als Ursprung der Ashtanga Vinyasa Yoga Methode. Dort wird heute noch Ashtanga Yoga unterrichtet. Viele Ashtanga Yoga Übende pilgerten Jahr für Jahr nach Mysore, um dort mit „Guruji” Sri K. Patthabi Jois Yoga zu üben.


Warum Üben im Ashtanga Mysore Stil?

Die große Yogabegeisterung heute entwickelte sich erst aus den in Gruppen geführten Stunden. Man kann heute fast überall eine Yogastunde mitmachen.

Zum Erlernen der einzelnen Schritte (Vinyasas) der Ashtanga Yoga Abfolge kann Gruppenunterricht in Form von geführten Stunden sehr nützlich sein. Für ein Weitererkommen auf einer körperlichen, aber vor allem mentalen Ebene sind Mysore Stunden unumgänglich.

Im Zusammenwirken mit dem Lehrer, der die Fehlstellungen und Körpermuster des Schülers korrigiert, ihn unterstützt, wenn er es braucht, und ihn fortschreiten lässt, wenn er dazu bereit ist, findet er zu seiner ganz eigenen Selbstpraxis.

Eine Vorkenntnis der Übungsabfolge ist zwar hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich. Dem Ashtanga-Neuling werden die Übungen vorgezeigt und erklärt. Der Schüler wiederholt die Übungen, bis er sie verinnerlicht hat; bekommt neue Stellungen, wiederholt diese gegebenenfalls mit an ihn angepassten Varianten. Dadurch wird der Schüler nicht überfordert und übt gemäß seinen Möglichkeiten.

Kurz gesagt, bringt uns das Üben in diesem Stil in Verbindung mit einer langen Yogatradition und deren Erfahrung. Spüren, dass man selbst dabei mitwirkt, ist erst der Anfang des inneren Wachstums. Das Üben wird zum Spiegel des eigenen Verhaltens, der Klarheit – oder Unklarheit –, die man dabei hat, und der Freude oder auch des Frusts, die man dabei empfindet.

Wenn Ashtanga Yoga mit Enthusiasmus und frei von Leistungsdenken geübt wird ist es ein ausgezeichneter Weg, sich mit viel Freude dem größten Geheimnis der Menschheit – dem Bewusstsein – zu widmen.

Ashtanga Vinyasa Yoga ist eine intensive Methode, die jedem Übenden Selbständigkeit und vor allem am Anfang Durchhaltevermögen abverlangt. Es sollte möglichst von Anfang an mindestens 3-6 Tage in der Woche geübt werden.
Wissen und Veränderung kommen nicht von selbst. Nur Üben hilft und niemand nimmt es einem ab.

Der erste Schritt dazu mag nicht leicht sein, aber das ist bloß ein weiterer Trick, den unser Verstand mit uns spielt, um sich vor dieser Auseinandersetzung zu drücken.

Für jeden, der interessiert ist, am Yoga zu wachsen, sind die Mysore Stunden ein ausgezeichneter Weg.

So practice and be happy !


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